Bewerbungsfoto selber machen: erlaubt, und so wird es gut
Beim Passbild ist Selbermachen seit Mai 2025 vorbei — beim Bewerbungsfoto gibt es dagegen gar keine Vorschrift. Was rechtlich gilt, welches Format üblich ist und die vier Dinge, auf die es beim Handyfoto wirklich ankommt.

Beim Passbild ist Selbermachen seit dem 1. Mai 2025 vorbei: Für Reisepass, Personalausweis und elektronischen Aufenthaltstitel muss das Lichtbild digital an die Behörde übermittelt werden, entweder aus einem Fotostudio oder von einem Terminal im Amt. Ein selbst aufgenommenes Foto wird dort nicht mehr angenommen.
Beim Bewerbungsfoto ist es genau umgekehrt — und das geht in der Diskussion meistens unter. Es gibt keine Behörde, keine Norm, keine Prüfsoftware und keinen Ablehnungsbescheid. Das Bewerbungsfoto ist reine Konvention. Sie dürfen es selbst machen, und niemand darf Ihnen dabei widersprechen.
Rechtlich: Das Foto ist freiwillig
Seit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz von 2006 darf ein Arbeitgeber ein Bewerbungsfoto nicht verlangen. Ein Foto macht Alter, Geschlecht und Herkunft sichtbar — also genau die Merkmale, wegen derer niemand benachteiligt werden darf. Eine Bewerbung ohne Foto ist deshalb vollständig.
In der Praxis ist das Foto in Deutschland trotzdem üblich, gerade bei kleineren Unternehmen und in der klassischen Bewerbungsmappe. Wer eines beilegen möchte, tut das freiwillig. Wer keines beilegt, hat keinen Fehler gemacht.
Welches Format? 45 × 60 mm — aber ohne Vorschrift
Das übliche Hochformat ist 45 × 60 mm. Bei 300 dpi entspricht das 531 × 709 Pixeln. Es gibt daneben größere Varianten, etwa 50 × 70 mm, die vor allem für die gedruckte Mappe verwendet werden.
Wichtig ist die Einordnung: Diese Maße sind eine Gewohnheit, keine Vorgabe. Ein Foto im Verhältnis 3:4 fällt niemandem negativ auf. Wer sich trotzdem an das übliche Maß halten will, kann das Bild direkt auf 45 × 60 mm zuschneiden — im Browser, ohne Anmeldung, und ohne dass die Datei irgendwohin hochgeladen wird.
Das Passbildformat 35 × 45 mm ist übrigens nicht dasselbe und wirkt in der Mappe deutlich beengt. Es ist auf Ausweisdokumente zugeschnitten, nicht auf einen Lebenslauf.
Mit dem Handy fotografieren: die vier Dinge, die wirklich zählen
1. Die Hauptkamera, nicht die Selfie-Kamera. Frontkameras haben ein weitwinkliges Objektiv und einen kurzen Aufnahmeabstand. Beides zusammen vergrößert die Nase und verkleinert die Ohren. Der Effekt ist subtil genug, dass man ihn nicht benennt, aber deutlich genug, dass das Bild unvorteilhaft wirkt.
2. Abstand halten und heranzoomen. Etwa zwei Meter Abstand, dann mit der Kamera näher heranzoomen. Das ergibt eine natürlichere Perspektive als ein Foto aus einem halben Meter. Ein Stativ oder ein Stapel Bücher plus Selbstauslöser ersetzen die zweite Person.
3. Fensterlicht von der Seite. Tageslicht durch ein großes Fenster, das Gesicht leicht zum Fenster gedreht, keine direkte Sonne. Kein Blitz — der erzeugt harte Schatten hinter dem Kopf und glänzende Stellen auf der Stirn. Eine Deckenlampe direkt über Ihnen ist ebenfalls ungünstig, weil sie die Augenhöhlen verschattet.
4. Abstand zur Wand. Ein bis anderthalb Meter zwischen Ihnen und dem Hintergrund. Steht man direkt an der Wand, wirft man einen Schlagschatten darauf, und der Hintergrund ist dann nicht mehr gleichmäßig.
Hintergrund und Kleidung
Beim Passbild schreibt die Fotomustertafel einen einfarbigen, schattenfreien Hintergrund mit deutlichem Kontrast zu Gesicht und Haaren vor. Beim Bewerbungsfoto gilt das nicht als Regel, ist aber trotzdem der beste Rat: eine ruhige, einfarbige Fläche in Hellgrau, Weiß oder einem gedeckten Ton. Eine unaufgeräumte Wohnung im Hintergrund ist das Einzige, was ein Bewerbungsfoto wirklich beschädigt.
Bei der Kleidung gilt: das, was Sie im Vorstellungsgespräch tragen würden. Und ein Unterschied zum Passbild, der Menschen überrascht — Sie dürfen und sollen freundlich schauen. Die neutrale, geschlossene Miene ist eine Anforderung für Ausweisdokumente, nicht für eine Bewerbung.
Dateigröße für das Online-Formular
Die meisten Bewerbungen laufen heute über ein Portal, und dort scheitert es oft nicht am Foto, sondern an der Dateigröße. Ein Handyfoto hat schnell vier bis acht Megabyte, und viele Bewerbungsportale nehmen pro Datei nur ein oder zwei Megabyte an.
Dafür gibt es fertige Ziele: Bild auf 1 MB verkleinern, auf 2 MB oder auf 300 KB, wenn das Foto in den Lebenslauf eingebettet wird. Wenn die ganze Bewerbungsmappe zu groß ist, hilft PDF auf 2 MB verkleinern.
Was ein selbst gemachtes Foto nicht ersetzt
Ehrlich bleiben: Ein Fotograf bringt Blitzanlage, Hintergrundsystem und Erfahrung darin, jemanden in fünf Minuten locker zu bekommen. Für Bewerbungen um Positionen, bei denen Außenwirkung Teil der Aufgabe ist, ist das die 40 bis 100 Euro meistens wert.
Für alles andere ist ein sorgfältig gemachtes Handyfoto bei gutem Fensterlicht völlig ausreichend — und deutlich besser als ein zugeschnittenes Urlaubsbild, was die eigentliche Alternative ist.